“Äsop op Platt” – Der klingende Sprachatlas jetzt online

Ein im Frühjahr 2020 begonnenes Projekt der Niederdeutschen Abteilung an der CAU Kiel ist jetzt abgeschlossen – der klingende Sprachatlas „Äsop op Platt“ ist ab sofort unter folgendem Link zugänglich: https://atlas.limsi.fr/?tab=SH 

Diese schleswig-holsteinische Dialektdokumentation ist eingebettet in ein internationales Projekt (initiiert durch den französischen Sprachwissenschaftler Philippe Boula de Mareüil), bei dem die Äsop-Fabel „Nordwind und Sonne“ in zahlreiche europäische Sprachen und Dialekte übersetzt wird. Zwischen April und Oktober 2020 haben mehr als 80 Personen aus allen Regionen Schleswig-Holsteins die Fabel in ihre Ortsdialekte übertragen und vorgelesen. Das Spektrum reicht von textnahen Übersetzungen der hochdeutschen Vorlage bis zu freien Übertragungen (in einem Fall sogar mit Musik unterlegt). Hierbei wurde der eher schriftsprachliche Duktus des hochdeutschen Fabeltextes in einen eher sprechsprachlichen Stil überführt, der dem Plattdeutschen eher gerecht wird.

Die Aufnahmen dokumentieren die verschiedenen Mundarten des Holsteinischen sowie das schleswigische, dithmarsische und das nordfriesische Niederdeutsch. Zum Mitlesen wird jeweils eine Verschriftung angeboten, die sich an die „Regeln für die plattdeutsche Rechtschreibung“ im „Plattdeutschen Wörterbuch“ anlehnt („Der neue SASS“, bearb. v. Heinrich Kahl und Heinrich Thies, 8., erw. Aufl. Kiel 2016). Hierbei wurde jedoch darauf geachtet, dialektale Beonderheiten der verschiedenen Regionen in der Schriftform möglichst zu bewahren. Die Bearbeitung der Texte erfolgte durch Kyra Holst und Nadine Koop an der Niederdeutschen Abteilung der Universität Kiel unter der Leitung von Prof. Michael Elmentaler. Die Kartierung und Einrichtung der Website erfolgte durch Prof. Frédéric Vernier und Prof. Philippe Boula de Mareüil (Université Paris-Saclay & CNRS).

Die Entstehung des Sprachatlasses verdankt sich in erster Linie der engagierten Mitarbeit der vielen Plattsprecherinnen und Plattsprecher, die die Fabel in ihren Heimatdialekt übertrugen und einsprachen. Darüber hinaus leisteten Andreas Guballa vom „Offenen Kanal Westküste“ (https://www.oksh.de/wk/) und Ingeburg Büll-Meynerts einen wesentlichen Beitrag als Vermittler zahlreicher Aufnahmen. Unterstützt wurde das Projekt zudem durch Gesa Retzlaff (Zentrum für Niederdeutsch in Leck), Thorsten Börnsen (Zentrum für Niederdeutsch in Mölln), Jan Graf (SHHB) und Volker Holm (Plattnet.de).

(Prof. Dr. Michael Elmentaler, Niederdeutsche Abteilung am Germanistischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – elmentaler@germsem.uni-kiel.de)

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